Der einzige Komiker von internationalem Rang, den Deutschland je hatte: "Mögen hätte ich schon wollen, aber dürfen habe ich mich nicht getraut." Karl Valentins Buchbinder Wanninger, der von Hinz zu Kunz geschickt wird, nur weil er eine Auskunft will, erweist sich gerade im Zeitalter des Callcenters als zeitlose Figur. Nie hat jemand die Lorelei so eindrucksvoll verkörpert wie Valentin. Er hat die alten Rittersleut unsterblich gemacht und im tragikomischen Dialog mit der kongenialen Partnerin Liesl Karlstadt seine subversive Sprachakrobatik zu einer Kunst entwickelt, die ihm die Herzen gewann, unter anderem von Kurt Tucholsky und Samuel Beckett. Für die Amerikaner wurde er der deutsche Charlie Chaplin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.06.2007
Hannes Hintermeier begrüßt diese Biografie Karl Valentins, die Monika Dimpfl zum 125. Geburtstag des Komikers vorgelegt hat. Er bescheinigt der Autorin profunde Sachkenntnis sowie Einfühlungsvermögen. Angetan hat es ihm besonders die Beschreibung der Vorstadt Au, in der Valentin als Sohn eines Möbelspediteurs aufwuchs. Deutlich werden für ihn auch die vielen Facetten von Valentins schillernder Persönlichkeit, der sich vor seiner Karriere als Komiker unter anderem als Geschäftsmann versuchte und künstliche Palmen verhökerte. Valentins Aufstieg, seine zahlreichen Auftritte der Prinzregentenzeit werden Hintermeiers Erachtens minutiös nachgezeichnet. Bisweilen scheint ihm die Biografie hier "ein wenig eng dem Tourneeplan" zu folgen. Außerdem hätte sich Hintermeier im Blick auf die künstlerische Formenvielfalt Valentins "mehr Analyse" gewünscht.
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